Interview mit Residenzkünstlerin Soňa Brabencová

Die Pilsner Grafikerin Soňa Brabencová verbrachte zwischen Juli und August 2021 2,5 Wochen im Rahmen des bayerisch-böhmischen Residenzprogramms im Projekt kultur|kontakt|kreativ in Regensburg. Dabei begab sie sich in eine künstlerisch-kreative Interaktion mit Regensburg seit ihrer Anreise: Unmittelbar im Anschluss an ihre Ankunft wirkte sie direkt beim künstlerisch-kreativen MišMaš-Tag auf dem Gelände der „PrinzLeoKultur“ mit. Mit ihrem Workshop-Angebot „Fleckenkunst“ ermunterte sie Interessierte aller Altersgruppen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. 

Wie hat dir Regensburg gefallen?

Der erste Tag ist bereits sehr abenteuerlich gewesen. Ich bin am Bahnhof abgeholt worden und dann sind wir nach einem kurzen Abstecher zum Wohnatelier im Andreasstadel direkt mit dem Fahrrad zur ehemaligen Prinz Leopold Kaserne gefahren. Im Zuge der neuen kulturellen Bespielung des Orts habe auch ich versucht, die Menschen künstlerisch zu unterhalten und in meinen Workshop einzubinden. Ich habe den Menschen vor Ort Farbflecken und Kleckse vorbereitet, die diese dann um Illustrationen ergänzen und zu eigenen Bildern auf der Basis ihrer Fantasie fertig stellen konnten.

Ansonsten habe ich meine täglichen Spaziergänge in die Stadt genossen. Regenburg ist so erfüllt von interessanten Plätzen und historischen Orten. Als sehr auffällig habe ich außerdem das Lächeln der Leute vor Ort empfunden. Und sogar im Dom bin ich einem lachenden Engel begegnet. Das kenne ich so nicht. In Pilsen setzen die Menschen oft eine Miene auf, die sich eher als Sauerkrautgesicht beschreiben lässt. 

Nachdem mein Ankommen hier direkt mit urbanen Entdeckungen verbunden war, habe ich auch danach daran angeknüpft. Regensburg ist entspannt und ruhig und wirklich lebenswert.

Welche Orte haben dir gefallen?

Die ganze Stadt ist wie eine lebendige Galerie. In jeder Ecke habe ich etwas Interessantes entdeckt. Besonders gefallen haben mir die Atmosphäre im Dom und im Kreativzentrum Degginger. Dort und bei zwei weiteren Regensburger Bäckereien habe ich auch sehr leckere Käsekuchen entdeckt. Die beste Eiscreme habe ich bei Stenz gefunden und war dort sehr häufig. Insgesamt war ich aber eher im Picknickstil unterwegs und habe mein Essen im Wohnatelier zubereitet und dann irgendwo draußen im Schönen gegessen. 

Wie ist es mit der Kommunikation verlaufen? Sprichst du Deutsch? Gab es irgendwelche interessanten Begegnungen diesbezüglich? Kannst du da ein bisschen „aus dem Nähkästchen plaudern“? 

Da gibt es viel zu erzählen. Tatsächlich verfüge ich über eher passive Deutschkenntnisse aus der Schulzeit. Diese habe ich ein bisschen nutzen können. Meistens habe ich aber auf Englisch kommuniziert. Mit meinem Matchingpartner, Andre Maier, habe ich aber auch mein Deutsch erprobt. Er war da sehr geduldig.  Und immer, wenn wir eine Sprachbarriere hatten, haben wir uns mit Stift und Papier ausgeholfen und Zeichnungen angefertigt. Der Austausch mit ihm war ohnehin sehr bereichernd und ich habe ihn als große Hilfe wahrgenommen. In meiner Aufregung verbunden mit der Residenz und der MeetTheArtist-Präsentation hat er mir geholfen ruhiger zu werden. Außerdem hat er mir sehr viele Empfehlungen und Tipps zur Stadt gegeben und ich bewundere seine Arbeit. Er macht echt coole Gemälde, die haben so eine frische, anregende Ausstrahlung. Andre ist auch echt produktiv und seine Werke sind sehr sichtbar in der Stadt. Es war wirklich eine Ehre für mich mit ihm zusammenzuarbeiten.

Kannst du uns eine kleine Projektvorstellung in deine Arbeit in Regensburg geben?

Die neue Stadt hat mich inspiriert, mich in neuen künstlerischen Techniken und Arbeitsweisen auszuprobieren. Daher war ich mit dem Skizzenbuch unterwegs um Regensburg zu erkunden und habe die Details, die meine Aufmerksamkeit erregt haben,  erfasst. Für mich war wichtig, mal ganz bewusst ohne Computerunterstützung zu arbeiten. Die ist in meiner sonstigen Designarbeit nämlich omnipräsent. Ebenso habe ich mein Smartphone mit seiner Fülle an sozialen Netzwerken weitesgehend zur Seite gelegt, um die neue Umgebung in einer anderern Intensität erleben zu können. In dieser Arbeitsweise habe ich mich mit den Diskrepanzen zwischen digitalen und analogen Erfahrungen auseinandergesetzt. Viele Menschen verbringen so viel Zeit mit den Sozialen Medien. Aber wie wird ein auf Instagram inszenierter Moment tatsächlich erlebt? Diese Frage hat mich zu meiner Serie „Instastories“ inspiriert. Diese ist quasi ein Tagebuch meines Aufenthalts und ist analog entstanden. Aber die quadratischen Zeichnungen der Serie sind dem Format der audiovisuellen Onlineplattform gewollt nachempfunden. Im Gegensatz zum digitalen Pendant habe ich aber den tatsächlichen Moment, in dem ich die jeweilige Situation eingefangen habe, durch den Akt des Zeichnens ganz anders, längerfristig und bewusster erfahren.

Gibt es eine Projektpräsentation und hast du Pläne an deine Arbeit anzuknüpfen?

Es gab am 2. August 2021 eine MeetTheArtist-Veranstaltung in der Galerie des Künstlerhauses Andreasstadel. Dabei konnten die Gäste auch mit schriftlich-analogen Likes und Kommentaren auf die jeweiligen Instaposts reagieren.

Außerdem waren währenddessen auch die Ergebnisse meines Workshops während des MišMaš-Tags erneut zu sehen. Im Anschluss an die Veranstaltung hat sich außerdem für meine Serie „Instastories“ die Möglichkeit ergeben, ebenfalls in einem der Schaufenster des neuen Regensburger Kulturzwischennutzungsprojekt „M26“ direkt in der Innenstadt ausgestellt zu werden.

Im Anschluss plane ich übrigens, tatsächlich an die Arbeit anzuknüpfen. Ich möchte dies in Verbindung mit der, zu meinem Studienabschluss entstandenen, Serie „Nudolapky“ (erfundenes Wort in Anlehnung an „Langeweile-Fänger“). Ich will auch von Regensburg und Pilsen ähnliche Detailakkumulationen anfertigen. Die eingefangenen Momente der Serie „Instastories“ bilden dabei bereits eine Grundlage für diese Arbeit. Wie schon mein Studienprojekt könnten auch diese Arbeiten anschließend beispielsweise in Arztpraxen als Wimmelbilder genutzt werden, um Kinder mit den zahlreichen Details und darin innewohnenden Entdeckungen von ihrer Angst oder auch Langeweile abzulenken. Ich überlege nun nur noch, wie ich die Grafiken besonders innovativ und originell gestalten kann.

Was sind deine Gedanken zum Kunstaustauschprogram? 

Ich empfinde es als eine sehr wertvolle Möglichkeit in Austausch mit Menschen und ihren anderen kulturellen Hintergründen zu treten. Das trifft vor allem bei dem Kontakt mit der Matchingpartnerin oder dem Matchingpartner zu. Ich denke, dass die Grundlagen in allen Ländern ähnlich sind ,wenn es um Kunst geht. Zumindest habe ich im Austausch mit meinem Matchingpatner festgestellt, dass sich die Prinzipien der Kunstwelt und auch was es heißt, in dieser seine eigene Managerin zu sein, sehr entsprechen.

Ansonsten ist es mit dem Austausch auch ein bisschen herausfordernd, wenn man eine weniger extrovertierte Persönlichkeit hat. Das ist gerade jetzt durch die Coronaeinschränkungen und entsprechenden Abstandsregeln erschwert. Aber ich bin dankbar für die Kontakte, die ich hatte und den Austausch und die Unterstützung, die ich vor allem von meinem Matchingpartner, Andre Maier und durch Melina Opitz, Hana Bejlková und Annemarie Bruckert vom Kulturamt erfahren habe. 

Möchtest du zum Schluss noch etwas ergänzen?

Ich denke, alle Menschen sollten solche Möglichkeiten wahrnehmen, wenn sich diese ihnen bieten. So etwas verändert einen. Ich bin auch schon anderen Austauschmöglichkeiten nachgegangen und ich glaube, dass sich daraus auch immer eine Art Zirkel ergibt. Also das sich auch immer Möglichkeiten im Anschluss daran ergeben, in denen die gemachten Erfahrungen auch wieder weiter und zurückgegeben werden können. Es ist also auch für die restliche Gesellschaft kein einseitiges Programm.

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